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Trainerlegende Horst Schulz wird heute 85 Jahre alt

Präsident Andreas Ruhl gratuliert unserem Freund und Ehrensitzinhaber Horst Schulz ganz herzlich zum 85. Geburtstag: „Horst Schulz blickt auf ein langes und erfolgreiches Leben als Fußballspieler und Trainer zurück. In Schwerin ist er eine Legende. Er feiert heute im Kreis der Familie in Alt Landesberg seinen Ehrentag. Wir wünschen ihm Gesundheit, Zufriedenheit und dass er bald seine große Feier, die er geplant hatte, nachholen kann.“

Glückwünsche kommen auch vom Geschäftsführer des Hauptsponsor MUP, Janko Paper: „Horst Schulz war immer ein Kämpfer und leidenschaftlicher Fußballer. Das finde ich beeindruckend. Noch im hohen Alter verfolgt er alle Entwicklungen und viele Spiele, auch unseres Vereins. Ich wünsche ihm alles Gute und dass er bald wieder dem FC Mecklenburg Schwerin im Spielbetrieb die Daumen drücken kann.“

Unser Vizepräsident Andreas Lange hat ein Exklusivinterview mit dem Jubilar geführt, welches wir hier veröffentlichen. Mit dabei auch historische Fußballbilder. Wer sich auf den Mannschaftsfotos erkennt, kann gerne mal ein Feedback geben.

 

Sonnabend 16. Mai 2020, 9.30 Uhr. Wir sind zum Telefoninterview verabredet. Neun Fragen sind vorbereitet und Horst Schulz eröffnet das Gespräch:

Horst Schulz: Weißt Du Andreas, ich habe gestern noch bis halb eins Let`s Dance geschaut. Was die leisten, sehr beeindruckend. Da brauche ich keinen Krimi. Und ich freue mich, dass die Bundesliga wieder anfängt. Die Zusammenfassung im Ersten genügt mir, aber Sky überträgt ja auch kostenlos, das kommt mir entgegen.

Andreas Lange: Da hast Du ja schon gleich meine erste Frage beantwortet. Welches Spiel interessiert Dich an diesem Bundesligawochenende besonders?

Horst Schulz: Ich bin kein Fanatiker, aber bayernorientiert. Auf das Spiel freue ich mich natürlich und wie sich das alles so abspielt. Ich wünsche mir das Bayern Meister wird.

Andreas Lange: Würde es der Bundesliga nicht guttun, wenn auch mal jemand anders Meister wird?

Horst Schulz: Das sagen viele, aber ich bin nicht dieser Meinung. Es gibt genug spannende Wettbewerbe, die Champions League beispielsweise. Da sind auch Platz 2, 3 und 4 wichtig denn sie bringen attraktive Spiele und den Kampf ums große Geld.

Andreas Lange: Du blickst auf ein langes Fußballerleben zurück. Was sind Deine größten Erfolge bzw. Erlebnisse.

Horst Schulz: Da bleibe ich bei meinen vier Schwerpunkten. Zunächst vom Straßenfußball in Putlitz zum organisierten Sport. Ich konnte mich in dieser Nachkriegszeit bei der Sichtung zum Junioren-DDR-Lehrgang zeigen und war Leistungsfußballer, der dafür Lebensmittelkarten bekam.

Als zweites war es richtig, von dort nach Stendal zur BSG Lok zu gehen. Meinen Horizont erweitern. Ich konnte zwei Jahre in die Oberliga (höchste Spielklasse der DDR) und die 1. Liga reinschnuppern, habe viel gelernt. Ich weiß noch mein erstes Punktspiel mit 18/19 Jahren gegen Turbine Erfurt (Vorgänger von Rot-Weiß) war ein Erlebnis hoch fünf.

Dann kam der Ruf nach Schwerin. Eine gute Entscheidung. Ich lernte dort meine Frau Hilde kennen. Bei Traktor Schwerin erlebte ich den Aufstieg in die 2. Liga. Dann wurde ich bei einem Betriebsfest zur SG Dynamo abgeworben. Wir schafften den Aufstieg in die 1. Liga – für Schwerin eine Sensation.

Und schließlich wurde ich Trainer und erinnere mich im Herrenbereich besonders gern an die Aufstiegsrunden zur DDR-Oberliga und im Jugendbereich an den Gewinn der Goldmedaille bei der DDR-Kinder- und Jugend-Spartakiade und den DDR-Vizemeistertitel Schüler mit Spielern wie Netz, Rehm und Kreuzmann.

Andreas Lange: Vor 30 Jahre stand Schwerin mitten in der legendären Pokalsaison. Magdeburg und Leipzig besiegt, Pokalfinale gegen Dynamo Dresden, Europapokal gegen Austria Wien. Dies alles ist eng mit dem Namen Manfred Radtke verbunden. Du warst lange Zeit sein Trainer. Was kannst Du uns über ihn sagen?

Horst Schulz: Er war damals nicht immer einfach als Spieler. Es gab schon auch Krawall. Aber er war immer optimistisch, hat Verletzungen weggesteckt und war vielseitig einsetzbar. Ein Kämpfertyp.

Andreas Lange: Kannst Du sagen, was das Erfolgsrezept dafür war, dass Schwerin im Pokal in der Umbruchzeit 1989/90 so weit gekommen ist.

Horst Schulz: Wir hatten eine gute Mannschaft, zum Beispiel mit Reincke und Stammann. Und wir hatten Glück, dass wir nur Heimlose bekamen. Dazu kommt, dass Manfred Radtke die große Stärke als Trainer hat, zu motivieren. Er hat früh erkannt, welche Chance gerade in der Umbruchzeit im Pokal lag, er hat alles auf eine Karte gesetzt, alle Kraft darauf konzentriert und in Schwerin Fußballgeschichte geschrieben. 

Andreas Lange: Welche Rolle hast Du in dieser sportlich und gesellschaftlich spannenden Zeit gespielt?

Horst Schulz: Ich war damals Cheftrainer Nachwuchs für das Trainingszentrum Dynamo. Mit Peter Klein als Mitarbeiter an der Seite. Uns gelang es, das renommierteste Jugendturiner der DDR, das Freie-Erde-Knabenturnier zu gewinnen. Statt auf Technik und Kombinationsspiel zu setzen, haben wir nach ein, zwei Pässen gnadenlos aufs Tor gefeuert und alle überrascht. Besonders aufgefallen ist mir damals Bastian Laschkowski, den ich frisch von Dynamo Wismar geholt hatte.

Als es dann im Pokal ernst wurde hat man Horst Löhle und mich gebeten, die Organisationsleitung zu übernehmen.

Andreas Lange: Kannst Du uns noch ein paar Hintergründe erzählen und warum habt Ihr das Heimspiel gegen Wien eigentlich im Ostseestadion ausgetragen?

Horst Schulz: Dafür waren Sicherheitsgründe ausschlaggebend. Es hatte in dieser Zeit einen schweren Zwischenfall in Leipzig gegeben, im Zusammenhang mit unzureichender Absperrung. Und das wollte man auf der Paulshöhe nicht riskieren und so fand das historische Spiel gegen Austria Wien in Rostock statt. Und dies war symptomatisch für diese Zeit, vieles war im Umbruch, jeder versuchte seinen Platz zu finden. Unsicherheit und Aufbruch ganz nah beieinander. Die Leitung von Dynamo, inzwischen in Polizeisportverein umbenannt, bestand aus vielen Offizieren, die nicht wussten, ob sie in das neue System übernommen werden. Unsere gut ausgebildeten Spieler waren interessant für westliche Vereine und beim Europapokal auf dem Präsentierteller. Viele nutzen ihre Chance, neue Wege zu gehen und der Herrenfußball in Schwerin erlebte einen Einbruch. Allein über die Vertragsverhandlungen mit Bayer 04 Leverkusen und Reiner Calmund über den Wechsel von Mathias Stammann könnte ich einen ganzen Abend erzählen.

Andreas Lange: Wie ist heute Dein Blick auf den Fußball in West-Mecklenburg?

Horst Schulz: Das wäre ein weiteres Interview wert. In einem Satz: Die gute Jugendarbeit ist mit neuen Methoden geblieben und an die großen Zeiten im Herrenfußball konnte (noch nicht) angeknüpft werden. Aber jede Generation hat ja die Chance ihre eigene Geschichte zu schreiben.

Andreas Lange: Wie geht es Dir persönlich in dieser Zeit? Du wolltest ja den 85. Geburtstag etwas größer feiern.

Horst Schulz: Erstmal will ich sagen, dass das betreute Wohnen hier in Alt Landesberg ein Glücksgriff ist. Ich bin gut aufgenommen und mein Sohn Rainer betreut mich liebevoll, fast jeden Tag ist er hier. Wir werden am Geburtstag mit ihm, der Enkelin und der Urenkelin in eine Gaststätte gehen. Das ist ja zum Glück wieder möglich. Und das große Fest möchte ich, wenn es die Gesundheit zulässt, so bald wie möglich nachholen.